Biwakieren mit Hund

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Zusammen mit dem Hund unter freiem Himmel übernachten. Das ist der Traum vieler Outdoor Fans und gehört, zumindest für uns, zu den ganz besonderen Momenten in den Bergen. Raus aus dem Alltagstrott, rein ins Mikroabenteuer.

Biwakieren mit Hund

Wenn du unter freiem Himmel schläfst, kannst du die Natur ohne Filter erleben. Die Landschaft verändert sich stetig mit dem sich ändernden Stand der Sonne und des Mondes. Besonders spannende Farben und Lichteffekte zaubert die untergehende Sonne in die immer ruhiger werdende Bergwelt. Ein Erlebnis, von dem wir eigentlich nie genug bekommen. Hinzu kommen die vielen unterschiedlichen Geräusche, die du in der Stille der Natur intensiver wahrnimmst. Knacken im Unterholz, Vogelgezwitscher, der Ruf eines Greifvogels, Warnrufe der Murmeltiere, entfernte Kuhglocken, andere undefinierbare Geräusche und wuselige Krabbeltiere gehören ebenso zu einem Nachtlager im Freien dazu wie das Summen der auf Beutesuche umherfliegenden Insekten. Angst vor wilden Tieren muss in unseren Breitengraden niemand haben. Gams, Fuchs, Dachs und Co sind keine Gefahr. Sie meiden uns eher, als dass sie uns zu nahe kommen. Mit dem Hund an der Seite kannst du dich sicher fühlen und deswegen beruhigt eine Nacht im Freien verbringen.

Wir packen unsere Rucksäcke

Sobald unser Hund Pablo bemerkt, dass wir unsere Ausrüstung zusammensuchen, wird er gleich aufgeregt und lässt uns gar nicht mehr aus den Augen. Wir gehen bei der Zusammenstellung unserer Ausrüstung immer nach dem gleichen Prinzip vor, somit weiß Pablo immer, dass in nicht allzu weiter Zukunft ein spannendes Abenteuer ansteht. Darauf freut er sich selbstverständlich und rennt uns erst mal über die Ausrüstung. Vielleicht hat er Angst, man könnte ihn vergessen. Er steht die ganze Zeit daneben und schaut uns gespannt zu. Unser System ist so einfach, wie effektiv. Alles Nötige wird auf dem Boden ausgebreitet, auf Vollständigkeit und Funktion geprüft und auf die drei Rucksäcke verteilt. Drei Rücksäcke? Ja, richtig gelesen. Pablo beteiligt sich mit seinem eigenen Hunderucksack am Transport der Ausrüstung.

Pablo trägt ein 15-Jahre altes Erbstück von unserem ersten Hund "Sam". Das Ur-Modell des Ruffwear Palisades Pack. Darin verstauten wir sein Futter (Abendessen und Frühstück) 2x 0,6 Liter Trinkwasser, einen faltbaren Napf, Chips und Nüsse für uns und obendrauf seinen Hundeschlafsack. Sein Gepäck bringt dann etwa 3,5 kg auf die Waage, unsere Rucksäcke jeweils 14 Kilo. Da wir den Gipfel, auf dem wir die Nacht draußen verbringen wollen, schon sehr gut kennen und bereits oft bestiegen haben, konnten wir den Energieaufwand sehr gut beurteilen, sodass wir uns dazu entschlossen haben, ein paar Dinge einzupacken, die wir normalerweise nicht auf eine solche Tour mitnehmen würden. Eigentlich gilt die Devise: Weniger ist mehr, aber diesmal haben wir uns erlaubt, eine Flasche Sekt inklusive Kühlakkus zum Ausklingen des Tages im gemütlichen Biwak einzupacken. Das wollten wir uns einfach nicht nehmen. lassen.

Der Geruch der Natur

Da wir gezielt zum Biwakieren auf den Berg wollten, sind wir erst abends losgegangen. Das war an diesem heißen Tag im Sommer auch für Pablo ausgesprochen vorteilhaft. Auf dem Weg zum Berg und in die Freiheit mussten wir ein Stück an der Straße entlanglaufen. Für die Leute, die uns begegneten, waren wir wohl ein seltsames Bild. Aber die immer gleiche Reaktion war ein Lächeln. Unser Anblick hat den Passanten wohl gefallen. Ein Paar hat uns sogar angesprochen, wo wir denn so bepackt hingehen und ließen uns in einem kurzen Gespräch an den eigenen Erfahrungen in den Bergen teilhaben. Witzigerweise fanden aber alle Pablo, mit seinem eigenen Rucksack und dem oben aufgeschnallten Hundeschlafsack, besonders cool und niedlich.

Es war noch angenehm warm, daher kamen wir in den Steigungen gut ins Schwitzen. Zum Glück ging es ja die meiste Zeit durch den schattigen Wald. Nach den ersten Metern auf unbefestigten Wegen kam sofort ein Gefühl von Urlaub auf. Der Geruch der Natur, die Sonne, die Wärme auf der Haut und die eher ungewöhnliche Zeit den Anstieg zu beginnen trugen ihren Teil dazu bei. Dabei waren wir nur wenige Kilometer von zu Hause und vom nächsten Ort entfernt.
Im kühlen Bach konnte Pablo zwischenzeitlich immer wieder seinen Durst stillen oder auch die Pfoten kühlen. Niemand war mehr unterwegs. Weder zum Gipfel hinauf noch hinunter. Scheinbar sind die meisten Menschen schon sehr früh unterwegs gewesen, dass sie bereits zu Hause waren, oder bei dem Wetter eventuell lieber zum Schwimmen an den See gefahren. Umso besser!

Neugierige Kühe mitten auf dem Weg

Das erste Erlebnis ließ nicht lange auf sich warten. Mehrere Kühe fanden, es wäre eine ausgezeichnete Idee, es sich mitten auf dem Weg zu legen. Glücklicherweise war die Wiese an der Stelle des Weges so breit, dass wir gut ausweichen konnten. Die meisten Bergwanderer wissen, wie neugierig Kühe auf den Almen sein können. Mit Hund sollte man am besten nicht zu nahe kommen. Doch das wusste eine besonders interessierte Kuh wohl nicht und näherte sich uns schnellen Schrittes. Pablo war die Situation sichtlich unangenehm und versuchte sich hinter uns möglichst klein zumachen und sich vor dem großen „Ungeheuer“ zu schützen. Daher führten wir ihn zügig und mit festem Griff an der Herde vorbei. Puh, erstes Abenteuer in freier Wildbahn bestanden. Weiter geht's.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir nach knapp 2,5 Stunden pünktlich zum Sonnenuntergang den, wie erhofft, menschenleeren Gipfel. Zuallererst haben wir uns der durchgeschwitzten T-Shirts entledigt und gegen trockene Exemplare gewechselt. Ein warmer Fön war zu spüren. Nachdem wir umgezogen waren und ein wenig verschnauft hatten, mussten wir nicht lange nach einem schönen Biwakplatz zum Übernachten suchen. Wir bereiteten unser Schlaflager vor und machten uns an die Zubereitung des Abendessens. Offenes Feuer ist selbstverständlich ein No-Go. Zum Zubereiten der Speisen haben wir einen Gaskocher dabei. Aber erst einmal wird die Flasche Sekt geköpft, solange sie noch kalt ist. Wie gut eisgekühlter Sekt aus Metall-Tassen schmecken kann. Lecker! Auch die einfachsten Speisen verwandeln sich draußen in dieser Lage in einen wahren Gaumenschmaus. Ob es Pablo auch besonders gut geschmeckt hat, ist nicht überliefert, aber dem lauten Geschmatze zu beurteilen, war es ziemlich lecker!

Hotel unter dem Sternenhimmel

Die untergehende Sonne färbte den Himmel und die umliegenden Berge und Täler rot. Langsam schwand das Licht am Himmel und ließ die Lichter der Ortschaften im Tal in der Dunkelheit zum Vorschein kommen. Wir genossen unser Abendessen, saßen eine ganze Weile da und beobachteten Himmel und Berge. In der Ferne konnten wir Blitze zucken sehen. Immer wieder wurde der zusehends dunkler werdende Himmel durch Wetterleuchten erhellt. Zum Glück war das Gewitter aber weit genug weg. Die Grillen gaben ein Konzert, ansonsten war völlige Ruhe.

Gegen 23 Uhr kuschelten wir uns alle in die Schlafsäcke. Pablo blieb aber nicht lange im Schlafsack liegen. Er setzte sich auf und ließ seinen Blick in die Ferne schweifen. Sicher war es viel zu spannend für ihn, um jetzt einfach zu schlafen. Dabei war er bestimmt hundemüde. Irgendwann übermannte ihn wohl die Müdigkeit, sodass er sich in seinen Hundeschlafsack einrollte und binnen Sekunden einschlummerte. Wir schauten im Liegen noch lange in den Sternenhimmel. Hin und wieder schliefen wir kurz ein. Aber nie wirklich tief. Es gab zu viel zu sehen und zu hören. Gegen 2 Uhr färbte sich der Mond rot, um kurz danach zu verschwinden. Nun kamen noch viel mehr Sterne zum Vorschein. Ein wunderschöner Anblick! Wir haben sogar Sternschnuppen gesehen. Pablo setzte sich auf und streckte seine Nase in den Himmel. Eine ganze Weile saß er so da, als wenn er ebenfalls die Sterne beobachten würde. Immer wieder schaute er zu uns und stupste uns mit der Nase an. Irgendwann hatte er wohl genug Sterne gezählt. Mit hörbarem Seufzen kuschelte er sich in seinen Schlafsack und war direkt wieder im Land der Dobi-Träume.

Selbstverständlich war Pablo nachts mit einer langen Leine an einer Bank befestigt. So konnte er sich recht frei bewegen und auch mal zum Schnüffeln aufstehen, ohne allerdings aufgeschreckt durch ein Geräusch oder angelockt durch einen besonders interessanten Duft durchstarten zu können. Das wäre nicht nur respektlos gegenüber den natürlichen Bewohnern der Berge, außerdem auch für Pablo zu gefährlich. Ein Hund gehört bei solchen Aktionen unbedingt an die Leine. Er durchstreifte im Radius der 4m langen Leine das hohe Gras, kaute auf den Spitzen herum und kam wieder zurück in seinen Schlafsack. Obwohl es die ganze Nacht über nicht kalt wurde, zitterte er immer mal, wenn er sich aus dem Schlafsack gerollt hatte. Dann deckten wir ihn wieder zu.

Sonnenaufgang am nächsten Morgen

Morgens gegen 4 Uhr wurde es langsam hell. Wir standen auf, machten uns Wasser auf dem Gaskocher heiß, und genossen bei überwältigender Aussicht unseren Tee und Kaffee. Die in der Ferne aufgehende Sonne tauchte die Landschaft gegen 5:30 Uhr in ein wundervolles Morgenrot. Die gesamten Berggipfel leuchteten. Die Luft war schon angenehm warm. Pablo der Langschläfer genoss den Sonnenaufgang stilecht im Schlafsack liegend, der Genießer! Sicher wäre er gerne noch viel länger liegen geblieben. Die Sonne hatte die Macht über die Welt wieder übernommen. Auch die Tiere waren erwacht. Vögel zwitscherten und jede Menge Insekten flogen um uns herum. Ein guter neuer Tag beginnt!

Trotz der unbekannten Umgebung, der verschiedenen Geräusche und Gerüche, die Pablo wahrgenommen hatte, behielt er als Wachhund zwar alles im Blick, war aber zu keinem Zeitpunkt nervös oder bellte. Das macht uns schon ein bisschen stolz.

Nach dem Sonnenaufgang packten wir dann unsere Sachen ein. Wir checken noch mal unseren Platz, ob wir etwas vergessen haben. Müll auch von anderen mitzunehmen ist selbstverständlich. Schließlich verlassen wir die Berge so, wie wir sie vorfinden wollen. Der etwa 2-stündige Abstieg in T-Shirt und Shorts beginnt gegen 6:30 Uhr. Irgendwie sind die Rucksäcke leider gar nicht leichter geworden, obwohl wir alles verzehrt und getrunken hatten. Pablo war noch müde, also nahm ich seinen Schlafsack noch zu meinem Gepäck. Sein müder Blick soll wohl sowas wie „Danke“ bedeuten.

Zu Hause angekommen, stand erst einmal eine heiße Dusche an. Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir uns alle erst einmal eine Runde aufs Ohr gelegt und von dem kleinen Mikroabenteuer unter Sternen geträumt. Das werden wir, sobald uns das Wetter wieder die Möglichkeit bietet, nochmal wiederholen.

Was kommt alles in den Rucksack?

Erste Hilfe Set, Isomatte, Schlafsack, Primaloft Jacke, lange Hose, Stirnlampe, Mütze, Regenjacke, Wechsel-T-Shirt, Feuerzeug, Kocher mit Brennstoff, Tasse, Teller, Besteck, ausreichend Trinkwasser, etwas Proviant, kleiner Müllbeutel, Handy für den Notfall, Powerbank

Für Pablo: Futter, Trinkwasser, faltbarer Napf, lange Leine, LED Lampe, Hundeschlafsack

Was ist biwakieren?

Unter Biwakieren versteht man das Übernachten im Freien mit reduzierten Mitteln. Man übernachtet ohne „Dach über dem Kopf“ unter dem freien Himmel. Ohne Zelt.

Die richtige Ausrüstung

Mit der richtigen Ausrüstung ist biwakieren kein Problem. Daher solltest du vorab gut überlegen und planen, was du alles in deinen Rucksack packen musst. Gerade bei langen Dogtrekking Touren setzt das Aufteilen der Strecke mit mindestens einer Übernachtung im Biwak oder in einer Hütte voraus. 

Die wichtigsten Gegenstände:

  •          Schlafsack, eventuell auch Biwaksack
  •          Isomatte
  •          Nahrung
  •          Trinkwasser
  •          Gaskocher
  •          Stirnlampe
  •          Erste Hilfe Set

Ausrüstung für den Hund:

  •          Rucksack (nach Bedarf)
  •          Halsband
  •          Hundegeschirr
  •          Leine zum Anbinden
  •          Schlafsack
  •          Booties (je nach Strecke)
  •          Schlafsack
  •          Faltbarer Napf
  •          Futter, Trinkwasser

 

Biwakschachteln

An Stützpunkten für hochalpine Gipfeltouren sind manchmal Biwakschachteln zu finden. Das sind einfache Unterkünfte, die Platz für wenige Personen bieten. Wenn du in eine Notsituation geraten bist, ist das deine Rettung. Sind andere Personen vor Ort, kann das Übernachten in der Biwakschachtel mit Hund allerdings zum Problem werden. Entweder haben die anderen Personen schlichtweg etwas gegen deinen Hund, oder aber dein Hund kommt durch die Nähe der unbekannten Personen nicht zur Ruhe und hält alle die ganze Nacht alle Personen wach. Daher solltest du dich vor jeder Tour genau informieren. 

Regeln einhalten

Biwakieren geht natürlich nicht nur in den Bergen, sondern überall. Haltet euch an die Regeln, die vor Ort gelten. Offenes Feuer ist grundsätzlich verboten. Das Biwakieren ist beispielsweise in Naturschutzgebieten nicht erlaubt. Vielleicht kennt ihr den Eigentümer oder Pächter den ihr vorab fragen könnt. Bitte informiert euch, bevor ihr losgeht! Hinterlasst keinen Müll, verhaltet euch rücksichtsvoll gegenüber den Tieren und der Natur. 

Fotos Quelle:// Wilder Hund

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