Hundeernährung Sporthund

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Ein Hund, der regelmäßig sportliche Leistung erbringt, benötigt eine andere Ernährung als Fiffy, der gerne schon mal den Tag auf der Couch liegt. Doch wann sollte an der Ernährung des Hundes etwas geändert werden und was genau? 

Ernährung des Sporthundes

(Gastbeitrag von Janine Krause).


Alle, die intensiv Sport mit ihrem vierbeinigen Begleiter treiben, stehen irgendwann vor der Frage, wie sie ihren Hund bei diesen Belastungen richtig ernähren sollen. Wie auch im humanen Sportbereich schießen mittlerweile überall Hersteller von Zusatzpräparaten, Energieriegeln, etc aus dem Boden. Doch braucht man diese wirklich, um seinen Sporthund optimal zu versorgen? Oder reicht es, die bisherige Ernährung zu optimieren und anzupassen?

Was ist ein "Sporthund"?

Um diese Fragen zu klären müssen wir uns zunächst damit befassen, wann ein Hund als „Sporthund“ gilt. Der kleine Jack Russel von nebenan, der täglich von den Kindern mit einem Ball bespaßt wird, ist sicher noch kein Sporthund. Der Malinois der Kollegin, der neben Unterordnung und Fährtenarbeit auch regelmäßig im Zughundesport gearbeitet wird, dagegen schon eher. Eine klare Definition für den umgangssprachlichen Begriff „Sporthund“ gibt es leider nicht. Allgemein ließe sich dieser wohl wie folgt beschreiben: „Als Sporthunde können jene Tiere bezeichnet werden, welche auf Grundlage ihrer genetischen Voraussetzungen regelmäßig so trainiert werden, dass sich Muskeln, Ausdauer und die geistige Fitness im Optimalzustand befinden.“
Diese Definition ist allerdings lediglich als Vorschlag meinerseits zu betrachten und bezieht sich eher auf die Hunde, welche im Hobbybereich gearbeitet werden. Auf Leistungshunde (Schlittenhunde, Hütehunde, etc) gehe ich hierbei nur bedingt ein.

Figur des Hundes im Blick behalten

Ab wann ein Hund als Sporthund zu sehen ist, muss individuell betrachtet werden. Ebenso individuell verhält es sich mit der Fütterung. Allgemein kann man sagen: Je intensiver ein Hund gearbeitet wird, desto eher muss man die Fütterung anpassen.
Um zu sehen, ob der Hund ausreichende Portionen bekommt, sollte der Hundehalter immer ein Auge auf die Figur des Hundes haben. Ein zu dünner Hund ist keinesfalls gesünder oder leistungsfähiger als ein Hund mit etwas zu viel auf den Rippen. Der Hund sollte athletisch und angemessen muskulös und die Taille bei der Draufsicht gut zu sehen sein. Entgegen einiger Auffassungen ist es nicht nötig, die Rippen zu sehen, vielmehr sollten diese bei leichtem Druck fühlbar sein. Die Bauchlinie sollte in der Seitenansicht leicht angehoben sein.

Bei einigen Sporthunden reicht es durchaus, die Rationen etwas zu erhöhen, um ihren Bedarf zu decken. Bei intensiv gearbeiteten Hunden muss man allerdings oftmals etwas mehr Aufwand betreiben, um sie wirklich optimal zu versorgen. Hierzu ein kurzer, aber interessanter Vergleich des Bedarfs verschiedener Hundearten: Windhunde, die nur kurzzeitig sprinten, haben einen kaum erhöhten Energiebedarf. Diensthunde (also Spürhunde, etc) dagegen benötigen eine um das 1,4 fachen erhöhte Energiemenge. Schlittenhunde, welche meist auch unter extremen Wetterbedingungen Höchstleistungen erbringen müssen, haben sogar den 3-4 fachen Energiebedarf!

Bei der Anpassung der Energiemenge reicht es allerdings nicht aus, nur den Proteinbedarf zu erhöhen, wie es ab und an empfohlen wird. Ganz im Gegenteil: Ein zu hoher Proteinanteil kann sogar zu Leistungsminderung führen! Muskeln ziehen nämlich keine Energie aus Proteinen und auch die Muskelmasse kann nicht dadurch gesteigert werden, dass stark über dem eigentlichen Proteinbedarf gefüttert wird. Ist der Körper gezwungen, Protein als Brennstoff zu nutzen, weil andere Energiequellen fehlen, entstehen Abbauprodukte wie beispielsweise Ammoniak, welche aufwendig in der Leber zu Harnstoff umgewandelt werden müssen. Dadurch wird wiederum zusätzliche Wärme freigesetzt, sodass auch der Wasserbedarf des Hundes steigt. Entgegen vieler Meinungen ist es also nicht nötig, einem Sporthund besonders viel Protein zu geben.

Fett als Energielieferant

Tatsächlich ziehen Hunde bei längeren Belastungen ihre Energie aus den Fettreserven. Daher ist es deutlich sinnvoller, den Fettanteil in der Nahrung zu erhöhen. Es gilt grundsätzlich: Je länger die Belastungsdauer, umso fettreicher sollten die Futterrationen sein. Denn unter dauerhafter Belastung greift der Körper im Verhältnis 80:12:8 auf Fettreserven, Glykogen und Aminosäuren zurück. Übrigens zeichnen sich auch fertige „High Energy“ Futtermittel dadurch aus, dass mehr fettreiches Fleisch und zusätzliche Öle enthalten sind.

Als zusätzliche Energiespender können auch Kohlenhydrate eingesetzt werden, denn diese sorgen für gefüllte Glykogenspeicher. Desweiteren sollten die Vitamine und Spurenelemente bei intensiv gearbeiteten Hunden im Auge behalten werden. Bei fettreichen Rationen verhindert zum Beispiel Vitamin E in Verbindung mit Selen, dass freie Sauerstoffradikale in das Skelett und den Herzmuskel eingreifen, denn die reagieren sehr aggressiv gegenüber anderen Molekülen. Da sich die Zellfeinde besonders gern mit Fettsäuren verbinden, sind fettreich ernährte Hunde natürlich besonders interessant für sie. Durch Selen und Vitamin E können wir unsere Hunde allerdings sehr gut schützen.

Für ein gesundes Skelettsystem, welches natürlich für alle Hunde absolut bedeutend ist, ist eine optimale Versorgung mit Kalzium, Phosphor, Magnesium, Vitamin D, Mangan, Kupfer und Zink unabdingbar.
Ebenso wichtig sind Vitamin B12 und Eisen, denn sie sind maßgeblich an der Erythrozythenbildung beteiligt und sorgen so für eine optimale Sauerstoffversorgung der Organe durch das Blut. Sind sie nicht ausreichend vorhanden, führt dies zu einer Blutarmut (= Anämie), welche schon bei normal aktiven Hunden zu Müdigkeit, Erschöpfung und allgemeiner Schwäche führt. Die Auswirkungen auf einen Sporthund sind sicher selbsterklärend.

Elektrolyte hingegen müssen, anders als bei humanen Sportlern, nicht extra zugeführt werde, da Hunde im Vergleich zum Menschen kaum schwitzen. Jedoch haben Hunde nach anstrengenden Leistungen einen deutlich erhöhten Wasserbedarf, welchen sie auch unbedingt decken müssen. Hierfür kann man, sollte man den Eindruck haben, dass der Hund zu wenig trinkt, auch auf ungesalzene Fleisch- oder Knochenbrühe zurückgreifen.

Meine aufgeführten Punkte klingen vielleicht im ersten Moment sehr wissenschaftlich und der ein oder andere mag nun denken: „Wie soll ich das bloß alles gewährleisten!?“ Doch keine Angst, so kompliziert ist es gar nicht! Mit einer ausgewogenen und auf die Belastungen angepassten Fütterung kann man alle wichtigen Nährstoffe abdecken, ohne noch extra Pülverchen geben zu müssen. Hierbei ist es auch nicht zwingend nötig, selbst zu kochen oder auf BARF umzusteigen. Es gibt mittlerweile einige sehr gut zusammengestellte Fertigfuttermittel, welche man ohne schlechtes Gewissen füttern kann. Doch diese im Dschungel der vielen Angebote zu finden, erweist sich zugegebener Maßen manchmal als schwierig. Notfalls sollte man sich lieber mit einem guten Ernährungsberater in Verbindung setzen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Niemals unmittelbar vor der Belastung füttern

Abschließend möchte ich noch kurz etwas zur richtigen Fütterungspraxis schreiben, denn auch dieses Thema beschäftigt die Hundesportler immer wieder.
Grundsätzlich soll der Hund natürlich ausreichend Energie für die gewünschten Leistungen haben, dennoch darf dabei der Gastro- Intestinal- Trakt nicht überfüllt sein, denn dies wirkt sich wieder leistungsmindernd aus. Hunde sind allerdings in der Lage, auch nach längerer Nüchternheit optimale Leistungen zu erbringen. Der ideale Zeitpunkt für eine normale Futterration ist ca. 6-8 Stunden vor der Belastung. Auf keinen Fall sollte man den Hund unmittelbar vor der Aktivität füttern, denn dies führt zu erheblichen Problemen: Neben der Gefahr einer Madendrehung ist die Körpermasse durch den gefüllten Magen- Darm- Trakt erhört, der Atmungstrakt eingeengt, die thermische Belastung und der Wasserbedarf erhöht. Direkt nach der Belastung kann man dem Hund Fleischbrühe oder einen kleinen Snack geben. Die eigentliche Futterration sollte aber erst gegeben werden, wenn sich der Hund vollständig akklimatisiert hat und zur Ruhe gekommen ist.

Die richtige Fütterung ist für alle Hunde der Schlüssel zur Gesundheit und sollte immer individuell angepasst werden. Auch, oder besonders, für Hunde, welche besondere Leistungen erbringen sollen. Denn wie sagte schon Sebastian Kneipp? „Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern.“

Zu Janine Krause

Janine ist ausgebildete Ernährungsberaterin, Hundepsychologin und -verhaltenstherapeutin und lebt mit ihren Hunden Ragnar und Alora und der Dobermannhündin Tasja in der Nähe von Erfurt. Neben dem Zughundesport und dem Doghiking zählen zu ihren Leidenschaften die Dummy- und Apportierarbeit sowie das Hundetraining auf körpersprachlicher Basis. Hier kannst du Kontakt zu ihr aufnehmen.

Fotos Quelle: Janine Krause

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